„Schülerinnen, Studierende, und Fachpersonal“ – da mag sich so mancher fragen, wo denn die „Schüler, Studenten, und Fachmänner“ hin sind; warum also dieser starke Eingriff in die Sprache vorgenommen und für richtig erachtet wird.
Um diesen Fragen näher zu kommen, muß zu Anfang festgestellt werden, daß Sprache in der sozialen Funktion die sie erfüllt – sie umgibt uns ununterbrochen und bestimmt, wie wir denken – eine Form der Machtausübung und Einflußnahme darstellt. Was wir sprechen ist nie nur eine reine Beschreibung eines objektiven Zustandes, sondern trifft – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Aussage und stellt gleichzeitig eine Bewertung, mit der damit verbunden Aufforderung das zu ändern oder beizubehalten, dar. Begriffe wie „Mannweib“ oder „Muttersöhnchen“ sind automatisch mit der moralischen Bewertung, daß Frauen monogam und Männer dominant und außerhalb des Haushaltes leben sollen, verbunden. Was wir denken, sagen wir und was wir sagen, denken wir. Darum ist Sichtbarkeit zum größten Teil über Sprache möglich, da nur was ich benenne auch in der (von von Sprache bestimmten) Wahrnehmung existiert. Gerne wird hier von Performativität, der determinierenden Wirkung der Sprache, gesprochen.
In der deutschen Sprache hat sich über die Jahrhunderte – das ist in vielen anderen Sprachen ähnlich – ein sogenanntes Generisches Maskulinum herausgebildet. Dieses stellt die Verwendung der männlichen Form für Personen als Norm und im Zweifel anwendbar dar. Wenn also von einer gemischten Gruppe aus (sozialen) Männern und (sozialen) Frauen die Rede ist, so wird genauso wie bei einer rein männlichen Gruppe die männliche Pluralform verwendet. Es geht von einer allein an Männern orientierten Gesellschaftsvorstellung aus – und verstärkt diese bis heute in der Sprache. Die Frauen sind unterschlagen und somit nicht sichtbar.
Statistisch zeigt sich, daß auf die Frage „Wer wird der nächster Bundeskanzler?“ Männer bei den Befragten wesentlich besser abschnitten als bei der Frage „Wer wird nächste Bundeskanzlerin oder nächster Bundeskanzler?“. Dadurch daß Frauen bei der zweiten Frage sichtbar und somit wahrnehmbar gemacht wurden, hat sich die Wahrnehmung der Befragten um Frauen erweitert und die Chancengleichheit erhöht sich.
Um also Frauen in gleichem Maße sichtbar zu machen wie Männer, bietet sich das Gendern als eine sehr mächtiges, aber natürlich nicht als das einzige Mitteln an.
Der Stern oder Asterisk, wie er bei „Schüler*innen“ verwendet wird versucht die durch „Schülerinnen und Schüler“ wiedergegebene Distanz zwischen zwei Geschlechtern und die damit die (sprachlich erzeugte) Gegensätzlichkeit zu verringern und bewußt Menschen außerhalb dieser Geschlechtsidentitäten einzuschließen (der Asterisk wird in der Informatik gern als Repräsentant einer unbestimmt großen Zeichenkette verwendet).
Laßt uns also gendern und die Verhältnisse durch unsere Sprache ändern!

Kategorien: PolitikQueer

2 Kommentare

Die Sprache gehört uns: Warum wir über Artikel sprechen müssen. | business.mrohrlack.eu · 8. April 2014 um 17:12

[…] als soziale Kategorie kritisch und das das Generische Maskulinum als schädlich sehen (siehe „Warum gendern?“), als […]

Die Sprache gehört uns: Warum wir über Artikel sprechen müssen. | Marcel R. bloggt. · 12. Juli 2013 um 10:53

[…] als soziale Kategorie kritisch und das das Generische Maskulinum als schädlich sehen (siehe „Warum gendern?“), als […]

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