Anstatt Ausnahmen vom Mindestlohn, braucht es angemessene Vergütungen und gute Arbeits- und Lernbedingungen, wenn Fehlanreize vermieden werden sollen.
Theresa Kalmer, Bundessprecherin der Grünen Jugend, Januar 2014

[…] Dein Projekt als Praktikant_in wird in erster Linie die Organisation und Begleitung des 44. Bundeskongresses zum Thema Zeitpolitik mit ca. 300 Teilnehmenden, zahlreichen Workshops, Referent_innen, Anträgen und Debatten vom 10. – 12. April 2015 in Bremen sein.
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 35 Stunden. Eine Vergütung wird in Höhe von 350 Euro monatlich gezahlt. […]
– Aus der Ausschreibung des Praktikums in der Bundesgeschäftsstelle der Grünen Jugend, 05.01.2014 (auch online: http://www.gruene-jugend.de/praktikum)

Die beschriebene Praktikumsstelle, die primär der Vorbereitung des Bundeskongresses zu dienen scheint, hat in meinen Augen für einen emanzipatorischen Verband, wie die GJ, ein inakzeptables Profil: Die Praktikumsstelle nutzt die von der Grünen Jugend kritisierten Ausnahmen beim Mindestlohn schamlos aus!

Wir haben als Grüne Jugend vielfach Kritik an den von der GroKo beschlossenen Ausnahmen vom Mindestlohn geübt – zurecht!

Was dieses Praktikum (nicht) kann

Auf dieses Praktikum wird sich niemand bewerben, der auf das Gehalt angewiesen ist. Wer keine Finanzierung durch Eltern oder größere eigene Ersparnisse hat, kann sich dieses Praktikum nicht leisten. Neben einem Praktikum von 35 Wochenstunden bleibt weder die Zeit für einen das Praktikum finanzierenden Nebenjob (Teilzeitpraktikum), noch ist die gesetzliche Obergrenze von 20h/Woche beim Bezug von Bafög eingehalten.

Der Stundenlohn in diesem Praktikum beträgt 2,50 €, die Gesamtkosten für den Verband sind bei 10 Wochen bei 875 €. Die Grüne Jugend spart sich auf Kosten der Praktikumskraft 2.100 €.

Das Praktikum selbst ist sicher interessant – aber es wird offensichtlich, dass der Verband die Arbeitskraft braucht und nicht primär jungen Menschen die Möglichkeit zum Sammeln von Erfahrungen geben möchte. Die Stelle ist daher eher eine projektorientierte, befristete Stelle als ein Ausbildungsverhältnis.

Schlupflöcher sind zum Stopfen da

Aber trat denn nicht am Neujahrstag diesen Jahres ein Mindestlohn in Kraft? Jein, der Mindestlohn ist zwar in Kraft, aber mit Ausnahmen. Eine davon: Freiwillige Praktika müssen erst ab einer Länge von drei Monaten mindestens mit 8,50 € in der Stunde bezahlt werden. Und die GJ? Macht ein Praktikum mit 2,5 Monaten Länge. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Statt, dass die GJ konsequent bleibt und ihre Praktikant_innen würdig bezahlt, werden bestehenden Lücken ausgenutzt. Der Bundeskongress der Grünen Jugend wird mithilfe von Arbeitsausbeutung organisiert.


4 Kommentare

Thomas B. · 18. Februar 2015 um 12:33

Leztendlich wird man immer Mittel und Wege finden, um den Mindestlohn zu entgehen, daher muss sich in diesem Bereich doch noch einiges mehr tun. DIe Einführung allein reicht da nicht aus. Hier sind jetzt insbesondere Kontrollen ein ganz wichtiger Punkt.

Katharina · 7. Januar 2015 um 12:48

Dem BaföG-Amt ist es reichtlich egal, wieviele Stunden du die Woche während deines Studiums arbeitest, solange du aufs Jahr aufgerechnet nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienst. Einzig die Universität (und die Krankenversicherung) interessiert sich dafür, denn wenn du WÄHREND DER VORLESUNGSZEIT mehr als 20 Stunden die Woche arbeitest, gilst du nicht mehr als Vollzeitstudierende_r und das hat Auswirkungen auf deinen Status und deine Krankenversicherung. ABER in der vorlesungsfreien Zeit darfst du bis zu 40 Stunden arbeiten pro Woche.

Abgesehen davon: Ja, so eine Praktikumsausschreibung von der GJ ist ziemlich daneben. Man könnte zumindest erwarten, dass sie das Maximum von 450 Euro für einen Minijob (der das ja dann ist) zahlen (wenn sie schon nicht den Mindestlohn zahlen).

Berliner · 7. Januar 2015 um 12:02

Ist die Zeitgrenze nicht bei 6 Wochen gelegt? Dementsprechend könnte die GJ eine derartige Vergütung nur zahlen, wenn es um ein Pflichtpraktikum geht. Alles andere wäre wohl nicht so geil.

    Marcel Rohrlack · 7. Januar 2015 um 12:10

    „Diese generelle Praktikantenregelung gilt nicht für Schüler oder Studenten, die das Praktikum im Rahmen ihrer Schulausbildung oder ihres Studiums absolvieren oder für bis zu drei Monate dauernde Orientierungspraktika sowie für von der Arbeitsagentur geförderte Maßnahmen zum Erwerb einer Einstiegsqualifikation. Auch für Auszubildende und für ehrenamtlich Tätige gilt der Mindestlohn nicht.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohngesetz_(Deutschland)#Nicht-Anspruchsberechtigte

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