Eine Woche Wahlkampf

Am 13. März – also zum Zeitpunkt dieses Blogposts morgen – werden in Sachsen-Anhalt (LSA), Rheinland-Pfalz (RLP) und Baden-Württemberg (BW) neue Landtage gewählt. In BW steht sogar der einzige grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Wiederwahl. Ich wollte meinen Beitrag für ein starkes grünes Ergebnis und eine weitere Legislatur grün geführter Regierung im Nachbarbundesland BW tun und hab mich an der Bustour der Grünen Jugend BW beteiligt. Vom 7. März an bin ich eine Woche durch Württemberg getourt; wir haben Flyer verteilt, mit den Menschen über Politik gesprochen und für Winfried Kretschmann, (jung-)grüne Kandidat*innen geworben und die Positionen der Grünen Jugend (GJ) geworben.

Montag: Tübingen und Eislingen

Die Woche begann früh – genau genommen um 5:45 Uhr. Von meinen Eltern aus, die ich die Tage vorher noch besucht hatte, ging’s dann mit dem Zug über Augsburg und Plochingen nach Tübingen. In der Grünen-Hochburg ist Wahlkampf doch auch eine interessante Erfahrung: Wenige Menschen wählen die Grünen nicht – aber die Gründe für oder wider unsere Partei enthalten meist den Oberbürgermeister Boris Palmer in Verbindung mit den Worten „trotz“ oder „wegen“. Nachdem man als Grüner ausnahmsweise von links attackiert wird und ein nach eigener Aussage „grüner Professor mit zwei Blonden Töchtern“ seinen Unmut über den Stadtoberen kundtat, hätte ich schon ein gewisses Gefühl für den kommenden Wahlkampf für die Grünen in BW. Komplettiert wurde dieser Eindruck durch einen einsamen Anhänger einer Konkurrenzpartei, der sich Sorgen machte, ob es seine Partei nach der Wahl noch gäbe – er gehörte der SPD an.

Eine weitere Erfahrung musste ich aber auch machen: Anders als erwartet finden diese Landtagswahlen im Winter statt — jedenfalls legen das die Temperaturen am Infostand nahe. Und so führte es mich am ersten Tag auch gleich in ein Bekleidungsgeschäft um warme Socken zu kaufen. Der überaus ästhetische Wechsel meiner Fußbekleidung in der historischen Altstadt wurde fotografisch festgehalten. (Siehe Fotos)

https://twitter.com/pforzfox/status/706993565470220290

Am Abend ging es dann nach einem kleinen Trip mit dem Bus weiter zum Kreisverband (KV) Eislingen. Der GJ-Kandidat Alexander Maier hatte seine letzte Wahlkampfveranstaltung und lud Fritz Kuhn ein, der gewohnt professionell aber als Oberbürgermeister von Stuttgart wenig reißerisch und eher staatstragend über die Bedeutungen der Beziehungen zwischen Kommunen und Land sowie den Feinstaubalarm in Stuttgart sprach. Als Alex danach mit der Band mit nur einer Probe Vorlauf den „Piano Man“ von Billy Joel sang, lockerte sich die Stimmung und der Abend fand einen angenehmen Ausklang.

  
 

Dienstag: Göppingen

Nach wunderbarer Unterbringung bei der Zweitkandidatin im Kreis – Danke, Christine! 🙂 – inklusive einem Frühstück und einem unglaublich liebesbedürftigen Hund ging es dann an den Infostand in der Göppinger Innenstadt. Boris Palmer war glücklicherweise kein Thema mehr, dafür hab ich meine persönliche Bestperformance an erfolgreichen „Darf ich ihnen Informationen zur Landtagswahl mitgeben?“ abgeliefert. In gewisser Weise ist Wahlkampf hier überraschend redundant – aber gewährt beeindruckende Einblicke in die Sozialstruktur von Orten. Das Studentische Tübingens fehlte komplett, dafür sprachen sich selbst ältere Damen mit Korbwägen oder Rolatoren für die Grünen bzw. um korrekt zu sein „den Kretschmann“ aus. Dabei nimmt man wahr, wie die überwiegende Mehrheit durchaus diese Wahl als Richtungsentscheidung wahrnimmt und sich bewusst für Kretschmann und seine Politik entscheidet.

Mittwoch: Aalen & Stuttgart

Wie unterschiedlich Württemberg aber im Wahlkampf ist, zeigt der Vergleich mit Aalen. Dort waren das Publikum deutlich reservierter gegenüber uns und es kam niemand wie in Tübingen oder Göppingen mit Glückwünschen für die Wahl auf uns zu.
Der anschließende Wahlkampfhöhepunkt vor dem Stuttgarter Rathaus bot dann doch ein anderes Bild: Die Begeisterung war echt. Außer einiger Grüner, die permanent „Unmöglichkeiten“ in Kretschmanns Rede suchten, und einiger Stuttgart-21-Gegner*innen, die einen Volksentscheid nicht akzeptieren können und sich lautstark von Grün verraten fühlen.

Das obligatorische Kretsch-Foto musste für jemanden, der sein Gesicht auf Flyern hunderten Menschen in die Hand drückt, natürlich sein.

https://twitter.com/pforzfox/status/707906690776219648

Donnerstag: Böblingen

In Böblingen standen wir vor einem architektonisch eher unzureichenden Einkaufszentrum. Nahe des Bahnhofs fingen wir den Pendlerverkehr ab und versuchten potentielle Kund*innen der Mall für Politik zu begeistern – was zugegeben schwierig ist in direkter Konkurrenz mit neuen Klamotten und Elektronikgeräten.

https://twitter.com/pforzfox/status/708700510220652549

Abends fand eine Erstwählerparty mit Thekla Walker, der Landesvorsitzenden, statt. Neben einem coolen Abend mit interessierten jungen Leuten, die ihre Erfahrungen und Fragen mitbrachten, starteten wir unser erstes Experiment mit Facebook Live und haben große Teile der Veranstaltung gestreamt. Am Ende setzten wir uns nochmal mit Thekla Walker zusammen und haben mit ihr über den Wahlkampf gesprochen.

Freitag: Böblingen & Göppingen

Am nächsten Morgen fanden wir uns wieder in Böblingen ein und positionierten uns an einem gut gelegenen Markt. Mit unseren verteilten Gratis-Äpfeln haben wir dem Äpfelverkäufer vermutlich keinen Gefallen getan. Im Anschluss revanchierten wir uns aber und kauften unseren Nachschub bei ihm ein.

Abends waren wir wieder im schönen Göppingen und machten die Bars unsicher. Wobei damit keine gewöhnliche fröhliche Kneipentour gemeint ist – wir haben vor allem gewahlkämpft. Spannend war hier vor allem, wie die Präferenz für bestimmte Läden – selbst wenn sie nicht dezidiert politisch sind – unglaublich stark mit der politisch en Einstellung korreliert. Dabei hat sich für mich auch wieder die Frage des Göppinger Direktwahlkampfs gestellt:

Wer ist eigentlich Simon?

  

Samstag: Göppingen

Letzter Tag Wahlkampf, letzter Abend Kneipenwahlkampf: Der Versuch noch möglichst große Flyer-Pakete zu schnüren, vielen Äpfel in die Hand zu drücken und bei der Formulierung „für die Landtagswahlen morgen“ merkt man: Sch… ist das bald!

Ausblick

Ich schreibe diesen Text wenige Stunden vor der Öffnung der Wahllokale. in der letzten Woche bin ich so sehr an diesen Wahlkampf gewachsen – ich fiebere mit, als würde in meinem Heimatbundesland gewählt.

Was ich gelernt habe: Die Menschen in Baden-Württemberg wissen, dass diese Wahl eine Richtungsentscheidung ist. Und ich hoffe auf eine starke Grüne Partei und, dass der kommende Ministerpräsident der alte ist: Winfried Kretschmann.


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